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Lineare Unabhängigkeit

Eine Menge von Vektoren heißt linear unabhängig, wenn es nicht möglich ist, einen der Vektoren als Linearkombination der anderen Vektoren darzustellen; andernfalls heißen die Vektoren linear abhängig.

Definition

Gegeben sei ein Vektorraum V über einem Körper K. Die Vektoren v1,,vnV heißen

  • linear abhängig, wenn neben der trivialen Lösung λ1==λn=0K noch mindestens eine weitere Lösung für die Gleichung
    λ1v1++λnvn=0V
    existiert. In diesem Fall besitzen nicht alle Skalare λi den Wert 0K. Gilt beispielsweise λ10K, so kann durch Umstellen der Gleichung eine Linearkombination für den Vektor v1 gefunden werden:
    v1=λ2λ1v2λnλ1vn.
  • linear unabhängig, wenn neben der trivialen Lösung λ1==λn=0K keine weiteren Lösungen für die Gleichung
    λ1v1++λnvn=0V
    existieren. In diesem Fall ist es nicht möglich, einen der Vektoren v1,,vn als Linearkombination der anderen Vektoren darzustellen.

Eigenschaften

Es gelten die folgenden Eigenschaften:

  • Sind die Vektoren v1,,vnV linear unabhängig und die Vektoren v1,,vn,wV linear abhängig, so lässt sich der Vektor w als Linearkombination von v1,,vn darstellen.
  • Ist eine Menge von Vektoren linear unabhängig, so ist jede Teilmenge dieser Vektoren ebenfalls linear unabhängig.
  • Ist eine Menge von Vektoren v1,,vnV linear abhängig, so ist jede Menge von Vektoren, die v1,,vn enthält, ebenfalls linear abhängig.
  • Elementare Umformungen von Vektoren verändern nicht die lineare Abhängigkeit oder Unabhängigkeit.
  • Ist einer der Vektoren v1,,vnV der Nullvektor 0V, so sind die Vektoren v1,,vn linear abhängig.
  • In einem n-dimensionalen Vektorraum ist eine Menge von mehr als n Vektoren stets linear abhängig. Dies folgt aus der Eigenschaft, dass jede Basis eines n-dimensionalen Vektorraums immer aus exakt n linear unabhängigen Vektoren besteht, die den kompletten Vektorraum aufspannen. Jeder weitere Vektor kann dann als Linearkombination der Basisvektoren dargestellt werden.

Beispiele

Beispiel 1

Gegeben seien die folgenden Vektoren des R3:

v1=(111),v2=(123),v3=(257).

Zum Überprüfen der linearen Unabhängigkeit muss das folgende, in Vektorform vorliegende lineare Gleichungssystem gelöst werden:

λ1v1+λ2v2+λ3v3=0.

Zum Lösen mit dem Gaußschen Eliminationsverfahren wird zunächst die erweiterte Koeffizientenmatrix aufgestellt und diese anschließend in Zeilenstufenform überführt:

11201250II+I1370III+I112001300250III2II112001300010

Ausgehend von der erhaltenen Zeilenstufenform kann nun mittels Rückwärtseinsetzen die Lösung des linearen Gleichungssystems bestimmt werden:

λ3=0λ2=0+3λ3=0+30=0λ1=0+λ22λ3=0+020=0.

Als einzige Lösung dieses Gleichungssystems ergibt sich somit λ1=λ2=λ3=0, woraus unmittelbar die lineare Unabhängigkeit der Vektoren v1, v2 und v3 folgt.

Beispiel 2

Gegeben seien die folgenden Vektoren des R3:

v1=(102),v2=(021),v3=(348).

Die Vektoren v1, v2 und v3 sind linear abhängig, da beispielsweise der Vektor v3 als Linearkombination der Vektoren v1 und v2 dargestellt werden kann. Es gilt:

v3=3v1+2v2.

Beispiel 3

Gegeben seien die folgenden Vektoren des R2:

v1=(10),v2=(12),v3=(31).

Die Vektoren v1, v2 und v3 sind linear abhängig, da drei Vektoren eines zweidimensionalen Vektorraums stets linear abhängig sind. Allgemein sind n+1 Vektoren eines n-dimensionalen Vektorraums stets linear abhängig.

Beispiel 4

Gegeben seien die folgenden Polynome mit reellen Koeffizienten:

p1(x)=x2x1p2(x)=x2+2x+3p3(x)=2x25x7.

Die Überprüfung auf lineare Unabhängigkeit kann mithilfe der Isomorphie des Polynomraums aller reellen Polynome mit Maximalgrad 2 und des Koordinatenraums R3 durchgeführt werden, indem zunächst alle Polynome durch die entsprechenden Vektoren dargestellt werden – das Polynom ax2+bx+c kann beispielsweise durch den Vektor (a,b,c) repräsentiert werden. Anschließend kann die Frage der linearen Unabhängigkeit für die so erhaltenen Vektoren geprüft werden. Für die Polynome p1(x), p2(x) und p3(x) ergeben sich die folgenden Vektoren:

v1=(111),v2=(123),v3=(257).

Hierbei handelt es sich um die linear unabhängigen Vektoren aus Beispiel 1. Die Polynome p1(x), p2(x) und p3(x) sind folglich ebenfalls linear unabhängig.

Zusammenhang mit Determinanten

Gegeben seien n Vektoren aus einem n-dimensionalen Vektorraum. Verwendet man diese Vektoren als Zeilen oder Spalten einer n×n Matrix A, so kann die lineare Unabhängigkeit mithilfe der Determinante geprüft werden:

  • Die Vektoren sind genau dann linear abhängig, wenn det(A)=0 gilt.
  • Die Vektoren sind genau dann linear unabhängig, wenn det(A)0 gilt.

Zusammenhang mit linearen Gleichungssystemen

Gegeben sei ein lineares Gleichungssystem Ax=b mit der Koeffizientenmatrix AKn×n und dem Lösungsvektor bKn. Betrachtet man dieses Gleichungssystem in Vektorschreibweise

[a11a1nan1ann]A[x1xn]x=[a11an1]s1x1++[a1nann]snxn=[b1bn]b,

so kann der Lösungsvektor b als Linearkombination der Spaltenvektoren s1,,sn der Koeffizientenmatrix A aufgefasst werden.

Da die Skalare in einer Linearkombination genau dann eindeutig bestimmt sind, wenn die Vektoren linear unabhängig sind, ist das Gleichungssystem Ax=b folglich genau dann eindeutig lösbar, wenn die Spaltenvektoren s1,,sn linear unabhängig sind.